Produktive Arbeit?

Heute stellte Bill Mitchell in seinem Weekend-Quiz eine interessante Frage:

„Ein Staat kann immer Menschen dazu einstellen, zuerst Löcher zu graben und diese dann wieder zu zumachen.

Das wird aber das Wirtschaftswachstum weniger positiv beeinflussen als ein privater Investitionsplan zum Bau einer Fabrik.

But this option will not have the same impact on current economic growth ($-for-$) as a private investment plan which constructs a new factory.

Richtig oder falsch?“

Ich hätte spontan richtig gesagt, weil ja die sinnlose Beschäftigung keine zusätzlichen Werte schafft, sondern einfach nur das aktuelle Nachfrageniveau stabilisiert. (Wenn man nicht den Erhalt der Ware Arbeitskraft berücksichtigen möchte, und den Wert dieser Ware als die Fähigkeit, sich für Geld sinnlosen Beschäftigungen hinzugeben, definiert).

Von einer Fabrik erwartet man hingegen, dass sie nicht nur Arbeit schafft sondern auch Produkte verkauft, die teurer sind als die Summe der aufgewendeten Kosten.

Aber: Wie wäre das mit Sozialarbeit? Die ist in der Regel sinnvoll und schafft Werte; nur messen kann man diese nur sehr schwierig. Und da kommt man dann zu der Frage, ob der Kapitalismus stoffliches Wachstum braucht, um sich zu erhalten, oder ob er nicht auch Profite und Wachstum aus Dienstleistungen schlagen kann.

Keine Ahnung, ob Mitchell in die Richtung gedacht hat. Die Auflösung kommt morgen.

2 Gedanken zu „Produktive Arbeit?

  • Ich denke falsch. Du hast das wichtige Wort „current“ nicht mit übersetzt. Es soll ja exakt die gleiche Summe für die Fabrik wie für das Graben der Löcher ausgegeben werden. Damit wächst das BIP um genau den gleichen Betrag. Natürlich könnte die Fabrik, wenn die Investition tatsächlich „sinnvoll“ gewesen sein sollte, später mehr zum BIP beitragen als die sinnlosen Löcher. Aber erst, wenn tatsächlich eine Wertschöpfung mit der Fabrik erfolgt, durch Kauf von Arbeitskraft und Vorleistungen und tatsächlicher Verkauf eines Produkts.

    Aber vielleicht ist auch was ganz anderes gemeint… Bisher bei Mitchells Quizfragen bin ich kaum über Zufallstreffer hinausgekommen 🙂

  • Du hattest natürlich recht. 😉
    Ich auch, das Wort current hat den Unterschied gemacht.
    Über Kapitalismus und Stofflichkeit wissen wir weiterhin nicht mehr.
    Wohl aber über Keynes, der schreibt, dass ja auch Paläste und riesige Grabstätten nicht unbedingt produktive gesellschaftliche Aufgaben seien, und deswegen zwischen Löcher buddeln und Paläste bauen gar nicht so ein großer Unterschied bestünde, jedenfalls wirtschaftlich gesehen; dass es selbstverständlich sehr viel nützlichere Arbeit gäbe, es aber aktuell in einer schwierigen Nachfragesituation besser als nichts sei, die Leute irgendwie zu beschäftigen.

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