Stammtisch

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P.S.: Und immer schön Eure leeren Bier-Pfand-Flaschen abgeben! Denn der Ukraine-Krieg hat in Deutschland auch eine Flaschenknappheit herbeigeführt, wie die New York Times berichtete. Aber kein Grund zur Sorge: im Artikel kommt der deutsche Bierbrauer Fritsche zu Wort, der sagt:

Nazis, Communists, government takeovers — in the past, we’ve had just about everything here, and we have survived it all. We will get through this as well.

29 Gedanken zu „Stammtisch

  • Wie die Kriegskredite 1914

    Bemerkenswert, dass dieser Kommentar freigegeben wurde:

    Kommentar von heiko61

    Die wahrscheinlich grausamste Woche der gesamten Nachkriegszeit findet endlich ein Ende. Statt eines inzwischen seit Monaten überfälligem Friedenssignal waren die beiden Spitzentreffen der westlichen Politik geprägt von widerwärtigstem Kriegsgeschrei und von so seit 1945 nicht mehr erlebter
    russlandfeindlicher Hass- und Hetz-Rhetorik in Politik und Medien. Mit der Verweigerung einer diplomatischen Lösung und dem extrem massiven Einstieg in den Ukraine-Konflikt hat die westliche Politik das gesamte ukrainische Volk, die hungernden Millionen in Afrika und im Nahen Osten, den Klimawandel, die westlichen Volkswirtschaften und unseren Wohlstand endgültig dem Militarismus und dem Dominanzdrang des westlichen Gesellschaftsmodells geopfert. Anstand und Augenmaß haben in der westlichen Politik keine Heimat mehr.
    In Madrid wurde auch von unserem Kanzler ein Dokument der Schande unterzeichnet, das mit Russland einen zuverlässigen Partner zum Feind und mit China den zweiten Partner zum Rivalen erklärt. Ein Vergleich mit dem historischen Verrat der SPD am Frieden durch Zustimmung zu den Kriegskrediten 1914 drängt sich auf. Eine Ressourcenverschwendung bisher ungeahnten Ausmaßes für Hochrüstungsexzesse und militärische Drohgebärden wurde auf den Weg gebracht.
    Nach der Flüchtlingskrise 2015 und der Corona-Pandemie 2020/21 versagen gerade die Medien das dritte Mal in der Wahrnehmung ihrer die Politik kritisch begleitenden Rolle.
    Es gibt eine Ausnahme: Die inzwischen von ostdeutschen Vollblutjournalisten geführte Berliner Zeitung dokumentierte einen exzellenten Artikel eines hoch geschätzten US-Experten zum Thema. Und ein offener Brief von noch eigenständig denkbereiten Intellektuellen macht genau so Mut, wie die Demo der PCK-Arbeiter in Schwedt, die die ganze Unsinnigkeit des geplanten Erdöl-Embargos mit ihrem Arbeitsplatz und dem Wohlergehen ihrer Region bezahlen sollen. Sie zeigen: Widerstand gegen Kriegstreiberei und Militarismus ist möglich und nötig!

    • Sehr guter Kommentar.

      Ich habe mir ja lange überlegt, weshalb die EU trotz der hohen eigenen Kosten für die EU so schnell ein Energie- und Rohstoffembargo gegen den Widerstand zahlreicher Wirtschaftsexperten beschlossen hat und obwohl es bisher die russischen Einnahmen nicht verringert hat. Es bleibt leider nur eine Schlussfolgerung: Die NATO will sich auf die Möglichkeit eines Krieges gegen Russland vorbereiten, wozu die wirtschaftliche Rohstoffautarkie eine notwendige Prämisse ist. Die Ergebnisse des G7- und NATO-Gipfels lassen keinen anderen Schluss zu.

  • Ist Russland ein imperialistisches Land?

    Dazu veranstaltet die Initiative „Nie wieder Krieg“ am 7. Juli ein Webinar.

    Das westliche Narrativ in Politik und Medien blendet die Zusammenhänge zwischen internationalem System und russischer Außenpolitik weitgehend aus. Stattdessen werden Ursachen und Motive der russischen Politik ausschließlich an den inneren Verhältnissen festgemacht. Da ist die Rede von imperialen Machtgelüsten, wonach das Territorium der ehem. UdSSR zurückerobert werden soll. Oder Putin wolle die EU unterwerfen. Und es gibt eine regelrechte Inflation von Nazi-Vergleichen, mit denen der Krieg erklärt wird.

    Aber auch in Teilen der Friedensbewegung und der gesellschaftlichen Linken wird unter Berufung auf klassische, linke Imperialismustheorien der Ukraine-Krieg als imperialistische Expansion interpretiert, die ihre Wurzeln im russischen Kapitalismus habe.

    Was ist dran an diesen Erklärungen? Was davon ist Ideologie oder Propaganda?

    Darüber diskutieren in einer virtuellen Gesprächsrunde:

    Kai Ehlers, Publizist, Russlandforscher, zahlreiche Buchveröffentlichungen zum
    postsowjetischen Raum
    Felix Jaitner, Wirtschaftswissenschaftler, Autor u.a. von „Einführung des Kapitalismus
    in Russland“(VSA)
    Kerstin Kaiser, Slawistin, Leiterin des ehem. Moskauer Büros der Rosa Luxemburg Stiftung

  • Soll die Ukraine EU-Mitglied werden?
    (mit Dank an Christian S.)
    > Die Dänen sind nicht grundlos skeptisch: Der Süddeutschen Zeitung liegt exklusiv ein vom dänischen Außenministerium für die EU in Auftrag gegebener Report über die Arbeitsbedingungen der Anti-Korruptions-Behörde NABU vor: Deren Detektive sollen gegen korrupte Staatsdiener ermitteln. Die Erkenntnisse des 48 Seiten langen Berichts vom Juli 2021 sind so alarmierend, dass Dänen und EU ihn bis heute geheim halten.
    >
    > Der Bericht stellt in Kiew „einen generellen Mangel an echtem Willen zur Korruptionsbekämpfung“ fest und dokumentiert, wie etliche Gesetzesänderungen und Urteile politisch kontrollierter oder mutmaßlich korrupter Richter die Arbeit der NABU-Detektive absichtlich erschweren oder verhindern. Die Vorwürfe treffen auch den von Selenskijs Jugendfreund Iwan Bakanow geführten Inlandsgeheimdienst SBU und die Generalstaatsanwaltschaft, geführt von Selenskijs vormaliger Wahlkampfjuristin Iryna Wenediktowa.
    >
    > Die Erschwerung oder Sabotage von Anti-Korruptions-Ermittlungen sei offenbar „extrem gut koordiniert oder von sehr hohen Ebenen der Gesellschaft in Auftrag gegeben“, so der Report. Besonders besorgniserregend sei der zunehmende Glaube ukrainischer „Entscheidungsträger, dass sie Staatsanwälte als ihr Werkzeug zum eigenen und dem Schutz politischer Verbündeter vor Strafjustiz behandeln können“.

  • Geography is a bitch

    So denkt ein kanadischer Minister

    Der strategische Fehler, dass man Russland eine globale Dominanz bei Öl und Gas erlaubte, darf nicht wiederholt werden…“
    „…Widerstandsfähigkeit wird es nur geben, wenn die westlichen Länder keine geographische Konzentration der Mineralienproduktion in Ländern zulassen, denen man nicht trauen kann. [Hä???]“
    „…Länder, die nicht immer unsere Ansichten über globale Angelegenheiten teilen und die zuweilen die Fähigkeit gezeigt haben, ihre Kontrolle über einige dieser Ressourcen als Waffe einzusetzen…“

    Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version) – Hervorhebung von mir

    Das ist auch das, was ich in Gesprächen hier überall höre: ‚Wir hätten uns ressourcentechnisch nicht auf Russland verlassen sollen.‘
    Leider sind die Rohstoffe nun einmal dort wo sie sind, das ist eine geografische Realität, wirkliche Alternativen gibt es nicht (es sei denn, man hätte das mit den alternativen Energien wirklich ernsthaft betrieben). Und überall sitzen Staaten über den Rohstoffen, ‚die unsere Ansichten über globale Angelegenheiten nicht teilen‘.
    Too bad …
    Besser kann man eigentlich eine koloniale Mentalität nicht beschreiben, die ‚Wilden‘ haben kein Recht auf ‚unsere‘ Rohstoffe und sind auch noch so frech, sich zu wehren.

  • So ergeht es mir mit manchen Menschen, natürlich nicht mit dem schon lange verstorbenen Vater, und ich bin / war ebenso schockiert und verstört.

    Ich sage das alles, weil ein Gespräch mit meinem Vater Anfang der Woche ein Wendepunkt für mich war. Er ist ein Professor im Ruhestand, ein Künstler, Denker und außergewöhnlicher Lehrer. Ich wuchs mit dem Wunsch auf, sein Leben und seine kritische Strenge nachzuahmen. In dieser Woche jedoch begann er eine lange, ignorante und widersprüchliche Tirade über Putin, Russland und die aktuelle Situation, die mich schockierte und beschämte. Was mich so erschütterte, war, dass er die kritische Strenge, die ich als Kind so sehr schätzte, völlig vermissen ließ. Er ließ kein einziges Gegenargument gelten. Er zeichnete sich vor allem durch eine unnachgiebige Weigerung aus, den historischen Kontext Osteuropas seit 1991 anders zu betrachten. Er war voll von Vorurteilen und Stereotypen über die Russen, Putin, ihre Geschichte und ihr Militär. Und das von dem Mann, der mir die Möglichkeit gab, genau das zu tun, was er jetzt ablehnt. Das hat nichts mit Senilität zu tun: Er ist bei anderen Themen heute genauso klar wie vor 20-30 Jahren. Diese Art von dickköpfigem, sturem und ideologisch verblendetem Denken habe ich nie mit ihm in Verbindung gebracht. Ich musste lange in den Spiegel schauen, um mich zu fragen: Bin ich es denn, der falsch liegt? Könnte ich derjenige sein, der das alles furchtbar falsch sieht? Ich war fast zu Tränen gerührt, so sehr wollte ich verstehen, warum er nicht sehen konnte…

    Patrokolus

    • … und wie so oft, kamen bei Moonofalabama Antworten, u.a. diese:

      Ich denke, es ist selten, eine Person zu finden, die bei jeder Überzeugung, die sie hat, wirklich offen dafür ist, deren Grundlage zu untersuchen, was auch einschließt, anzuerkennen, dass eine Überzeugung auf Intuition oder einer anderen nicht greifbaren Grundlage beruht. Ich habe lange versucht, ein solcher Mensch zu sein, aber der „Trick“ ist, dass man nie sicher sein kann, dass man es geschafft hat (weil man seine „blinden Flecken“ nicht wahrnehmen kann).
      Ich frage mich also, inwieweit die Reaktion Ihres Vaters auf die menschliche Tendenz zurückzuführen ist, bestimmte Ideen stillschweigend zu akzeptieren. Das heißt, vielleicht würden Sie (oder jemand anderes) ähnlich reagieren, wenn eine Ihrer (oder der Person) impliziten Überzeugungen in Frage gestellt würde.

      David Levin

      • Es gab noch eine Antwort:

        Ich denke, dass die Realität der gegenwärtigen Geopolitik angesichts der umfassenden Verflechtung des globalen Systems einen Weg finden wird, sich bemerkbar zu machen. Würde sich der Streit lediglich um eine ketzerische Idee der Kosmologie drehen, die keinerlei Einfluss auf das Leben und das Wohlergehen der Bevölkerung hätte, könnte die völlige Ablehnung eines rationaleren oder genaueren Modells ewig andauern. Wenn jedoch dieselbe kosmologische Idee anfängt, das Leben der Menschen direkt – negativ – zu beeinflussen, verlieren die Institutionen, die das neue Modell bestreiten oder ignorieren, genauso wie ihre Ideologie drastisch ihren Einfluss auf die Öffentlichkeit.

        Ich würde gerne glauben, dass es das ist, was wir hier sehen und was Sie mit Ihrem Vater beschreiben. Die Wut ist ja das zweite Stadium der Trauer, also sollten wir vielleicht auf das Verhandlungsstadium warten.

        Skiffer

  • Abgelehnter Kommentar

    [Inzwischen aber auf Nachfrage freigegeben]

    Einige kleine Kommentare von mir hier:
    https://www.tagesspiegel.de/politik/gefaehrliche-reise-in-die-ukraine-scholz-macron-draghi-und-iohannis-treffen-selenskyj-erneut-luftalarm-in-kiew/28429908.html

    Der 1. freigegeben:

    Frieden und Stabilität wird es nur dann geben, wenn auch russische Sicherheitsinteressen berücksichtigt werden.

    Der 2. freigegeben:

    Wenn man es mit gleichstarken (zumindest ähnlich starken) Parteien zu tun hat, muss man sich mit den Sicherheitsinteressen auseinandersetzen, so wie sie jede Seite sie für sich sieht und definiert. Behauptungen einer Seite über die Sicherheitsbedürfnisse der anderen („Ich bedrohe dich doch gar nicht!“) spielen dabei keine Rolle.

    Russland sah schon immer seine Sicherheit durch die Nato-Osterweiterung bedroht. Auch darüber muss ernsthaft verhandelt werden.

    Am Ende muss ein Abkommen stehen, in dem alle Seiten gleichermaßen ihre Sicherheitsinteressen aufgehoben sehen.

    Der 3. und der war dann wohl doch zu viel, nicht freigegeben 🙂
    Update: auf Nachfrage verspätet freigegeben

    In der Ukraine steht der kollektive Westen unter Führung der USA Russland gegenüber. Beide Seiten sind „ähnlich“ stark. Beide Seiten haben das Potential, sich gegenseitig sehr schwer zu verletzen und letztendlich auch die Möglichkeit, die ganze Welt in einem nuklearem Inferno untergehen zu lassen.
    Wenn man nicht ernsthaft verhandelt und nicht zu einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur kommt, in der sich alle Seiten aufgehoben fühlen, besteht jederzeit das Risiko der Eskalation mit schwerwiegendsten Folgen. Je länger man diese Verhandlungen aufschiebt, desto unkalkulierbarer werden die Folgen.
    Schon jetzt werden große Investitionen sogar in Deutschland schwierig, weil jederzeit abrupt die Gaslieferungen ausbleiben können mit unabsehbaren Folgen für die ganze Wirtschaft. Für die Ukraine gilt das erst recht. Wer investiert schon in ein vom Krieg überzogenen Land.

    Russland kann man nicht „canceln“. Es ist wirtschaftlich, militärisch konventionell und militärisch nuklear ein Schwergewicht. Mit den Russen muss man auf Augenhöhe verhandeln. Moralisieren hilft kein bisschen.

    Es ist wohl grundsätzliche so: Die Moderation formt die Diskussion in den Kommentarspalten. Kommentare, die in eine nicht gewünschte Richtung führen werden entfernt. Vor allem wird dafür gesorgt, dass gute und qualifizierte Beiträge ausbleiben, vor allem durch Entmutigung solcher Leute, die es könnten. Wer gibt sich schon Mühe mit einem Kommentar, wenn er nicht sicher kann, dass er auch freigegeben wird. Beim Tagesspiegel würden viel mehr gute Leute kommentieren, wäre es erlaubt. Ich käme dann nicht auf die Idee, selber zu kommentieren, da ich schon alles vorfinden würden, nur viel besser formuliert. So wie es mir geht bei Moon of Alabama.

  • Wieder mal ein Hinweis von Christian S.:
    Wir tumben Bürger*innen müssen unseren Regierenden dankbar sein, dass sie uns so gut vor Desinformationen schützen.

    Reuters weiß es als Erste: Die EU bastelt an einem neuen „code of practice on disinformation“, alles natürlich zunächst erst mal ganz freiwillig

    > Jourová said the Kremlin’s propaganda drive following the invasion of Ukraine had added urgency to discussions to strengthen the code. “Russia’s actions have informed to shape the anti-disinformation code,” she said. “Once the code is operational, we will be better prepared to address disinformation, also coming from Russia.”

    > Online platforms will have to counter “harmful disinformation” by developing tools and partnerships with fact-checkers that may include taking down propaganda, but also the inclusion of “indicators of trustworthiness” on independently verified information on issues like the war in Ukraine and the Covid-19 pandemic.

    und zwar für jedes land und jede Sprache individuell

    > there is a need for country- and language-specific data. We know disinformation is different in every country,

    Da das nicht nur für die Plattformen, sondern auch die Suchmaschinen gelten wird, wird man zukünftig ohne VPN kaum mehr auskommen

  • Zu Michael Hudson schrieb qbz

    …sowie sich der bei mir leider einstellenden Assoziation zur „Zinsknechtschaft“ (und der Definition von „schaffendem“ und „raffendem“ Kapital) wegen seiner Dichomatie in Industrie-Kapital und Finanz-Kapital.

    Ist das für dich Nazi-Ideologie?

      • Habe den Wikipedia-Eintrag gelesen: Offensichtlich hatte die ganze Theorie / Ideologie nur propagandistischen Wert für die Nazis, auch indem sie die Zinsherren mit Juden gleichsetzten, und über die Judenverfolgung hinaus keine praktische Bedeutung … das muss also kein Argument gegen Hudsons Vorstellungen sein.

        Für mich wäre eher die Frage, ob C.H. Werth recht hat und das mit der Zinsknechtschaft wirklich so inhaltslos ist:

        „Letztlich hatte die Doktrin von der „Brechung der Zinsknechtschaft“ keine andere Funktion als die einer diesseitsbezogenen, materiell-trivialisierten ‚Heilslehre‘, die nur aufgrund ihrer Inhaltslosigkeit eine gewisse Bedeutung erlangen konnte.“

        Hudson arbeitet schon immer empirisch-historisch, was nicht nur aus seinem Bestseller „Superimperialism“ hervorgeht.

        • Ich finde viele interessante Gedanken im 1. Video und wollte eigentlich nur auf die Problematik der Gegenüberstellung von industriellem und räuberischem (finanz) Kapital aufmerksam machen, wo aber det eigentliche „Raub“ primaer in der Produktion stattfindet. Thomas Picketty belegt seine historische Darstellung und Theorie empirisch, Hudson erzählt eher Beispiele, finde ich.

          • Da kennst Du Hudson’s Werk vermutlich schlecht, alle seine Bücher basieren auf empirischer Arbeit.

            Und er argumentiert, dass im heutigen Kapitalismus der größte Teil des Raubes eben nicht in der Produktion stattfindet, sondern diese gerade daran hindert, sich zu entfalten. Z.B. indem Menschen und ganze Länder sich endlos verschulden müssen und mit ihren Einkommen Zinsen bedienen müssen, was sie daran hindert, es für andere Dinge auszugeben bzw. in nützliche Dinge, wie z.B. Gesundheitswesen zu investieren. Oder dass riesige Gewinne aus Extraktionsrechten gezogen werden, die in keinem Verhältnis zum Aufwand stehen. Oder dass künstliche Monopole geschaffen werden ….

  • Michael Hudson, „The Destiny of Civilization: Finance Capitalism, Industrial Capitalism or Socialism“

    Das Buch soll auf dieser Vortragsreihe von Michael Hudson basieren, die auf Youtube zugänglich ist.


        • Vielen Dank für die Hinweise!

          Als marxistisch politisierter Mensch muss man mit Hudson stark an seinem Weltbild feilen.
          Für ihn steht ja gerade nicht die Entmachtung des Kapitals insgesamt an sondern lediglich die Entmachtung der Rentiers, also derjenigen Teile, die sich über Monopole aller Art leistungslosen Reichtum aneignen und die ganze Welt diesem Modell unterwerfen möchten. Die Alternative ist demnach eine mixed economy.
          Politisch heißt das: sehr breite Bündnisse, die die Macht in den Nationalstaaten selbst anstreben, aber auch die internationalen Institutionen, wie z.B. den IMF, radikal verändern müssten.

          • Dazu Putin:

            In order to claim some kind of leadership – any country, any people, any ethnic group should ensure their sovereignty.

            Because there is no in-between, no intermediate state: either a country is sovereign, or it is a colony, no matter what the colonies are called.

            I am not going to give any examples so as not to offend anyone, but if a country or a group of countries is not able to make sovereign decisions, then it is already a colony to a certain extent. But a colony has no historical prospects, no chance for survival in this tough geopolitical struggle.

            (excerpt from President Putin’s meeting with young entrepreneurs, engineers and scientists ahead of the St.Petersburg International Economic Forum).

          • Ich habe jetzt das erste Video angehört und es stellen sich mir, neutral formuliert, sehr, sehr viele Fragen, sowohl auf dem Hintergrund der marxistischen Politischen Ökonomie und Imperialismustheorie, der Rolle der Arbeiterklasse sowie sich der bei mir leider einstellenden Assoziation zur „Zinsknechtschaft“ (und der Definition von „schaffendem“ und „raffendem“ Kapital) wegen seiner Dichomatie in Industrie-Kapital und Finanz-Kapital.

  • Es gab 2014 doch einen Putsch in Kiew

    Christian S. schrieb: Erstaunlich, was man doch immer noch dazulernen kann:

    Obama:…

    „after we have brokered the deal with the new government“

    … das kann man dann guten Gewissens nur als einen Putsch bezeichnen

    • Wann begann nochmal der Ukraine-Krieg?

      Was vorher niemand zugeben wollte, wird jetzt ganz offen ausgesprochen:

      Since 2014, US special-operations forces have been training their Ukrainian counterparts on pretty much every skill set and mission set imaginable.

      Seitdem werden auch die Artillerie-Apps programmiert
      Die Anfänge von Gis Arta finden sich im Jahr 2014

      Danke, Christian S.

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