Leseempfehlung: Aller Rechte beraubt. Mit außergerichtlichen Sanktionen zum autoritären Staat von Hannes Hofbauer
Von Ulrike Simon
Zumindest denjenigen von uns, die in einem protestantischen Umkreis aufwuchsen, steht seit dem Geschichts- oder Religionsunterricht ein eindrucksvolles Bild vor Augen: Martin Luther, mit der Reichsacht belegt, ein Vogelfreier ohne Rechte, der straflos getötet werden kann, erklärt vor dem Kaiser und den um ihn versammelten Mächtigen des Reichstags: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“
Allen Befürchtungen zum Trotz ging die Geschichte für Martin Luther gut aus. Er hatte starke Beschützer. Heute scheint das anders zu sein. Moment mal? Heute?! Dazu kommt Hannes Hofbauer in seinem kürzlich beim Promedia Verlag erschienen lesenswerten Buch Aller Rechte beraubt. Mit außergerichtlichen Sanktionen zum autoritären Staat erst später. Zunächst erinnert er in einer geschichtlichen Replik im ersten Kapitel, dass es schon seit mehr als 2000 Jahren (vermutlich noch länger) ein übliches Procedere ist, politisch bzw. ideologisch Andersdenkende zu ächten, ihnen die Bürgerrechte zu entziehen, sie ihres Vermögens zu berauben, sie auszubürgern bzw. zum Verlassen des Landes zu zwingen und nicht selten zur Tötung freizugeben.
Die lange Geschichte des Entzugs der Bürgerrechte Weiterlesen