Pressekonferenz des russischen Außenministers am 10. März 2022

Leider ist es gerade verpönt, die russische Seite zu hören, und es wird zunehmend schwerer, das zu tun.

Deswegen folgt nun die Übersetzung des offiziellen englischen Transkripts der Pressekonferenz von Lawrow nach dem Treffen mit den türkischen und ukrainischen Außenministern, veröffentlicht vom russischen Außenministerium. Es ist ein sehr langer, aber dennoch lesenswerter Text.

Beginn der Übersetzung:

Meine Damen und Herren!

Heute hatte ich ein Treffen mit dem Außenminister der Türkei Mevlut Cavusoglu. Danach haben wir auf Initiative der Türkei ein trilaterales Treffen mit dem Außenminister der Ukraine Dmitri Kuleba abgehalten. Die Idee wurde vom Präsidenten der Republik Türkei Recep Tayyip Erdogan während eines Gesprächs mit Präsident Wladimir Putin geäußert. Wir haben diesen Vorschlag unserer türkischen Kollegen angenommen, weil wir für jegliche Kontakte zu den grundlegenden Fragen der aktuellen Ukraine-Krise und zu Fragen im Zusammenhang mit der Suche nach Auswegen aus dieser Krise stehen.

Das Einzige, was wir von Anfang an klargestellt haben, war, dass diese Kontakte einen Mehrwert haben müssen. Wir sind der Meinung, dass sie nicht dazu benutzt werden dürfen, vor allem nicht von unseren ukrainischen Kollegen, die oft versuchen, so etwas zu tun, um den wichtigsten bestehenden Verhandlungsweg zu ersetzen oder zu entwerten, der in Belarus zwischen zwei von den Präsidenten Russlands und der Ukraine gebilligten Delegationen stattfindet. Weiterlesen

Am Samstag wird demonstriert

Die Friedensbewegung verurteilt gemeinsam mit einem Großteil der Staaten der Welt den russischen Angriff auf die Ukraine.

Wer vorbehaltlos den russischen Angriff ablehnt, die sofortige Einstellung aller Kampfhandlungen fordert und dabei jede Vorgeschichte ausblendet, weil wir jetzt ‚vorbehaltlos zur Ukraine stehen müssen‘, verbaut jede Möglichkeit auf eine friedliche Lösung, die nur möglich ist, wenn die Interessen beider Seiten berücksichtigt werden, und verbündet sich u.U. auch mit den starken faschistischen Gruppierungen in der Ukraine, die unter dem Slogan ‚Slava Ukraini‘ mitdemonstrieren. (Das wäre freilich „nur“ die Duldung und nicht die aktive Unterstützung, nun ja. Das Facebook jetzt hate-speech Ausnahmen zulässt, wenn es um Russen geht, ist da schon eine andere Nummer.)

Natürlich ist es ein großer Unterschied, ob man vorbehaltlos politisch zur Ukraine steht oder vorbehaltlos Anteil am Leid der betroffenen Menschen nimmt, letzteres sollte für jeden Menschen selbstverständlich sein. Meine diesbezüglichen Vorbehalte haben nichts mit den betroffenen Menschen sondern mit der extrem selektiven Wahrnehmung des menschlichen Leids zu tun: zunächst dem in der Ukraine selbst, sehr deutlich bei Scholz‘ Bemerkungen zur Lächerlichkeit der Genozid-Vorwürfe im Donbass (siehe dazu 220223 Dagmar Henn über Genozid im Donbass). Die Indifferenz gegenüber dem Leid anderswo auf der Welt ist mir aber ebenso unerträglich und läuft m.E. auf Rassismus hinaus, wenn man auch entschuldigend anführen könnte, dass unsere Wahrnehmung stark propagandistisch beeinflusst wird.

Wer jedoch den russischen Angriff vorbehaltlos als Angriffskrieg verurteilt und die Vorgeschichte kennt, muss die Frage stellen, welche nicht-militärischen Alternativen Russland gehabt hätte, nachdem 8, streng genommen 15 Jahre lang alle diplomatischen Bemühungen gescheitert sind, während die Ukraine immer weiter aufgerüstet, die Armee durch westliche Militärberater geschult und alle Flughäfen und auch der ukrainische Flottenstützpunkt auf Nato-Standards gebracht sowie der Natobeitritt zum Verfassungsziel gemacht wurden. Weiterlesen

Die humanitäre Lage in der Ukraine aus russischer Sicht

Hier ein Link zu Gilbert Doctorows lesenswerter Artikel zur Lage der ukrainischen Flüchtlinge

Und das hat John Helmer zu berichten

Und hier der offizielle russische Lagebericht:

Treffen des Gemeinsamen Koordinierungsstabs für humanitäre Hilfe in der Ukraine (8. März 2022)
Kanal: https://t.me/mod_russia_en : Erster Beitrag Link von verschiedenen: https://t.me/mod_russia_en/73

Quelle

Beginn der Übersetzung

▪️ In Anbetracht der rapiden Verschlechterung der humanitären Lage in den Siedlungen der Ukraine, wo die Nationalisten weiterhin Tausende von Zivilisten, darunter auch Ausländer, gewaltsam festhalten, hat die russische Seite gestern trotz wiederholter Nichteinhaltung aller Vereinbarungen durch die Kiewer Behörden eine weitere Initiative zur Durchführung einer humanitären Operation ergriffen. Gleichzeitig haben wir alle Vorbereitungen für die Evakuierung von Zivilisten und ausländischen Bürgern durch sichere Korridore abgeschlossen.

Von den zehn Routen, die der ukrainischen Seite vorgeschlagen wurden – zwei von Kiew, Tschernigow, Sumy, Charkow und Mariupol – darunter eine von jeder Stadt in die Russische Föderation sowie eine durch die von den Kiewer Behörden kontrollierten Gebiete nach Polen, Moldawien und Rumänien,wurde von Kiew leider nur eine Route amtlich bestätigt – von Sumy über Poltawa weiter zur Grenze mit Polen. Weiterlesen