Staat – Geld – Marxismus

Kritik der Kritik

Letztes Jahr habe ich ein Buch übersetzt. Das Projekt war mir ein wichtiges Anliegen. Es ist zwar schon 2017 erschienen. Die Analysen und Vorschläge darin sind aber immer noch aktuell. In meinem Vorwort begründe ich warum und versuche den Anschluss an die Welt von heute (Stand Sommer 2025).

Hier unterhalten sich Verleger Stefan Kraft und ich mit einem der Autoren: Thomas Fazi. Leider kommen wir nicht wirklich dazu, die wirtschaftspolitischen Vorstellungen zu diskutieren.

Wie wir den Staat zurückgewinnen. Souveränität in einer Welt nach dem Neoliberalismus von Thomas Fazi und William Mitchell (Edition Makroskop 2025)

Jetzt fand es – erfreulicherweise – Beachtung:

Helge Buttkereit hat sich dem Buch im Rahmen einer Rezensionsreihe des Magazins Hintergrund zur Krise der Linken gewidmet. Sein Fazit: Die Autoren entwerfen eine auf den ersten Blick sympathische Vision. Leider sei diese nicht umsetzbar, da sie auf falschen theoretischen Grundlagen beruhe.

Das klingt auf den ersten Blick freundlich, ist aber eigentlich ein vernichtendes Urteil, das jede weitere Diskussion überflüssig macht. Schließlich ist es die erklärte Absicht der Autoren Mitchell und Fazi, das Paradigma für ein praktikables linkes Wirtschaftskonzept vorzulegen, das politische Wirksamkeit entfalten kann. Das Urteil von Helge Buttkereit bedeutet also deswegen eigentlich: Setzen, sechs. Aber ist diese Note gerechtfertigt?

Damit setze ich mich in dem Text: Den Staat zurückgewinnen oder gleich aufgeben auseinander, der gestern bei Makroskop erschien.

 

Ein Gedanke zu „Staat – Geld – Marxismus

  • Hier ein ganz guter Ausgangspunkt, um über die Macht im Staate nachzudenken (Quelle: Who Rules America? Inside the Hidden Architecture of the Ruling Class):

    Der Staat im fortgeschrittenen Kapitalismus fungiert als stabilisierender Apparat für die Reproduktion des Systems als Ganzes. Er sorgt nicht nur für die Durchsetzung von Gesetzen, sondern gestaltet auch die Rahmenbedingungen, unter denen die Kapitalakkumulation langfristig aufrechterhalten werden kann.

    Dazu gehören Geldpolitik, fiskalische Interventionen, rechtliche Rahmenbedingungen für Eigentumsrechte und, ganz entscheidend, die Fähigkeit zur Zwangsausübung durch militärische und polizeiliche Institutionen. In Krisenzeiten – sei es bei einem Finanzkollaps, sozialen Unruhen oder geopolitischen Konflikten – federt der Staat Schocks ab, die das private Kapital allein nicht bewältigen kann.

    Der Staat steht keineswegs außerhalb der Wirtschaft, sondern ist tief in ihr verankert. Er sorgt für die institutionelle Kontinuität, die es dem Kapital ermöglicht, seine eigenen Widersprüche zu überleben.

    Wichtig ist, dass dies keine konspirativen Absichten erfordert. Es ergibt sich aus struktureller Notwendigkeit. Jeder moderne kapitalistische Staat, der die Akkumulation nicht stabilisieren könnte, würde aufhören, als funktionsfähiger Staat innerhalb dieses Systems zu bestehen.

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