Alles Antisemiten?

Kaum flackert der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis wieder auf, tönt es aus allen Kanälen, wie sehr der Antisemitismus in Deutschland und weltweit wieder bedrohlich zunähme, und dass auch in Deutschland Juden um ihr Leben fürchten müssten. Wir Deutschen dürfen uns aus dem Konflikt nicht heraushalten. Ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus und für das Recht Israels auf Selbstverteidigung sei das Gebot der Stunde.

Wirklich stichhaltige Beweise für bedrohlichen Antisemitismus hierzulande werden nicht geliefert. Und jede/r, der seinen gesunden Menschenverstand noch nicht ganz verloren hat, fragt sich, ob tatsächlich der Antisemitismus das aktuelle Hauptproblem ist oder ob man sich nicht vielleicht doch lieber mit der unerträglichen Lage der Palästinenser beschäftigen sollte; und ob nicht schon allein das 1 zu 10 Zahlen-Verhältnis zwischen getöteten Israelis und Palästinensern auf ein großes Missverhältnis und Unrecht hinweist.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, sich nicht anti-semitisch zu verhalten, wenn man den Staat Israel kritisiert, denn die regierungs-offizielle Antisemitismus-Definition enthält folgenden Passus:

Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher [anti-semitischer] Angriffe sein.“

Nun beansprucht der Staat Israel jedoch das Recht und die Pflicht für alle Juden dieser Welt zu sprechen, und verspricht allen Juden eine Heimat, auch wenn es viele Juden auf der Welt gibt, die das gar nicht wünschen.

Dieses Recht auf Heimat gesteht der israelische Staat jedoch den Palästinensern nicht zu. Gleich drei Studien kamen in den letzten Wochen zu dem Schluss, dass es sich beim Staat Israel eindeutig um einen Apartheidsstaat handele, z.B. die der Organisation human rights watch.

Hier ein eindrucksvolles Beispiel.

Wie kann eine Kritik daran nicht anti-semitisch im oben definierten Sinne sein? Wenn sich doch der Staat selbst als jüdisches Kollektiv versteht?

Der israelische Journalist Gideon Levy schrieb schon 2015 einen Artikel für die Zeitung Ha‘aretz mit dem Titel: „Nur die Israelis glauben noch an die israelische Propaganda“ und weiter schrieb er:

„Hasbara ist der israelische Euphemismus für Propaganda, aber es gibt einige Dinge, die nach Meinung des verstorbenen Botschafters Yohanan Meroz nicht ‚hasbarasierbar‘ sind, u.a. der Umgang mit den Palästinensern.

Und die Propaganda verdeckt alles. Wir sagen Terrorismus, wir schreien Antisemitismus, wir schreien Delegitimierung, wir zitieren den Holocaust; wir sagen jüdischer Staat, schwulenfreundlich, Tropfbewässerung, Kirschtomaten, Hilfe für Nepal, Nobelpreise für Juden, schaut was in Syrien passiert, die einzige Demokratie, die größte Armee. Wir werden sagen, die Palästinenser machen einseitige Schritte, wir werden Verhandlungen über die „Grenzen des Siedlungsblocks“ vorschlagen, wir werden die Anerkennung eines jüdischen Staates fordern und wir werden uns beschweren, dass ‚es niemanden gibt, mit dem man reden kann.‘ Wir werden jammern, dass die ganze Welt gegen uns ist und uns vernichten will, nichts weniger.“ (Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

Wie schnell man unverhofft des Antisemitismus bezichtigt werden kann, habe ich vor einigen Jahren am eigenen Leib erfahren. Daraus wurde dann ein ganzes Projekt. Und die entstandenen Texte sind immer noch aktuell, allerdings muss man sich schon etwas Zeit dafür nehmen. Das Traurige ist, dass, es wie aktuell bei Covid nicht gelingt, miteinander zu reden, und es bei großartigen Statements bleibt, die wenig bewirken.

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