Olivgrüne Kriegstüchtigkeit – Willkommen im neuen nuklearen Zeitalter

Es ist traurig, wenn man feststellen muss, dass man schon lange recht hatte, sich aber nichts verändert hat. Schon im April 2022 schrieb ich den zweiteiligen Artikel Linke Bellizisten. Wie den folgenden Artikel, konnte ich auch den nur hier auf diesem Blog veröffentlichen. Die heutigen Grünen machen sich nicht einmal mehr die Mühe, ihre Position zu begründen: Sie erklären die friedenspolitischen Vorstellungen, denen sie auch mal anhingen, schlichtweg für naiv und überholt und gehen zur Kriegslogik über. (Teilweise ist der Artikel nicht mehr ganz aktuell, was jedoch nichts an der Grundaussage ändert.)

Verschärfte Eskalationsrhetorik

In der Nacht zum Pfingstsonntag griff Russland Kiew mit einer massiven Welle aus Raketen und Drohnen an. Unter den eingesetzten Waffen sollen sich auch zum zweiten Mal Oreschnik-Raketen befunden haben. Moskau erklärte, man habe vor allem militärische Ziele attackiert, darunter ein Flugfeld nahe der ukrainischen Hauptstadt. Aus Kiew wiederum wurden schwere Schäden in mehreren Stadtteilen gemeldet, auch das ARD-Studio war betroffen. Vier Tote und mehr als zwanzig Verletzte wurden offiziell bestätigt. In einem Telefongespräch mit dem amerikanischen Außenminister Marco Rubio kündigte der russische Außenminister Sergei Lawrow weitere Angriffe auf militärische und staatliche Entscheidungszentren an. Westliche Regierungen lehnten es ab, seiner Aufforderung zu folgen, ihr diplomatisches Personal aus Sicherheitsgründen aus Kiew abzuziehen. Weiterlesen

Krieg als zivilisatorische Errungenschaft?

Vor kurzem gab Herfried Münkler in der Zeit ein Interview

… und es steht nicht einmal hinter einer Bezahlschranke. Für die einen ist es ein tiefsinniger Beitrag zur Menschheitsgeschichte, für die anderen ein ärgerliches Musterbeispiel für an Gebildete gerichtete Kriegspropaganda.

Herfried Münkler beschäftigt sich mit Kriegen im Verlaufe der Geschichte. Der „einflussreichste, lebende deutsche Politologe“ (die Zeit) hat mehrere Bücher dazu geschrieben. Eine klare Abgrenzung zwischen Kriegs- und Friedenszeiten entstand demnach mit der Sesshaftigkeit der Menschen und der Notwendigkeit stabiler Verhältnisse in Agrargesellschaften. Das führte aber auch zur fortwährenden Gefährdung der Stabilität durch diejenigen, die auf diese Reichtümer schielten. So waren und sind Kriege also eine notwendige Begleiterscheinung der menschlichen Zivilisation.

Ein ausgesprochen interessantes Forschungsthema also. Und die Leserin muss zugeben, dass sie Münklers Thesen an vielen Stellen aufgrund fehlender Sachkenntnis nicht beurteilen kann. In den Fällen, in denen sie – zumindest etwas – Sachkenntnis besitzt, und ihr Zweifel am Tiefgang der Argumentation kommen, muss sie einräumen, dass in einem doch relativ kurzen Interview vieles zwangsläufig verkürzt werden muss. Dennoch: Etliche, im Interview locker hingeworfene Behauptungen wecken ernsthaften Diskussionsbedarf. Das beginnt mit den Ursachen des Männerüberschusses in der Antike: So einfach ist eine weibliche Übersterblichkeit weder nachweis- noch begründbar. Und endet nicht mit dem Thema Proliferation (Weitergabe) von Atomwaffen und dem Budapester Memorandum, nach dem die Ukraine die auf ihrem Gebiet gelagerten Atomwaffen an Russland abgab und ihr im Gegenzug die Unverletzlichkeit ihrer Grenzen zugesichert (oder vielleicht nur in Aussicht gestellt) wurde: Dass nur Russland das Memorandum verletzt hat, ist unwahr, und die gesamte Fragestellung „Was wäre, wenn die Ukraine weiterhin Atomwaffen besessen hätte?“ erweist sich als sehr viel komplexer als im Interview auch nur angedeutet. Weiterlesen