Der Iran-Krieg mit Carl von Clausewitz. Teil 3: Die Wahrscheinlichkeiten des wirklichen Lebens treten an die Stelle des Äußersten und Absoluten der Begriffe

Der erste Teil dieses Beitrages beschäftigte sich mit dem hinter „dem Akt der Gewalt“ des Iran-Kriegs stehenden „politischen Willen“. Im zweiten Teil ginge es darum, wie im Krieg „zwei lebendig Kräfte gegeneinander“ stoßen, gekennzeichnet durch die jeweilige „Größe der vorhandenen Mittel“ und ihre „Stärke der Willenskraft“. (Carl von Clausewitz). Erfahren Sie nun, wie die „Wahrscheinlichkeiten des wirklichen Lebens an die Stelle des Äußersten und Absoluten der Begriffe treten.“

„Ist der Krieg nicht mehr ein idealer, sondern ein sich eigentümlich gestaltender Verlauf der Handlung, so wird das wirklich Vorhandene die Daten abgeben für das Unbekannte, zu Erwartende, was gefunden werden soll. […] Hier drängt sich nun von selbst ein Gegenstand von neuem in die Betrachtung […]: der politische Zweck des Krieges.“ (Carl von Clausewitz)

In der Schwebe

Nach der Eskalation der Gewalt rückt wieder die politische Ordnung in den Mittelpunkt. Die Beteiligten stehen dabei jedoch an völlig unterschiedlichen Punkten. Während einige bereits über die Nachkriegsordnung sprechen, kämpfen andere noch um Kriegsziele, die der Krieg selbst möglicherweise unerreichbar gemacht hat.

Prekäre Waffenruhe

Der heiße Krieg dauerte 40 Tage. Er begann am 28. Februar 2026. Am 8. April 2026 vereinbarten die USA und der Iran eine vorläufige Waffenruhe. Nun kontrolliert der Iran die Straße von Hormus. Auf Basis einer umstrittenen Interpretation des internationalen Seerechts hat Teheran erklärt, dass die Meerenge iranisches und omanisches Hoheitsgebiet ist. Die beiden Länder hätten also das Recht, Zölle zu erheben und zu bestimmen, wer passieren darf. Daraufhin ließ Trump eine eigene Blockade verhängen, sodass Schiffe, die die Straße von Hormus passiert haben, nicht weiter kommen, und umgekehrt keine Schiffe in den Persischen Golf einfahren können. So ist der Zugang zu mindestens 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggasproduktion blockiert, mit Folgen nicht nur für die Energieversorgung vieler Staaten, sondern für deren gesamte Wirtschaftslage.

Der Persische Golf und die Straße von Hormus gehören zu den wichtigsten Verkehrswegen des Welthandels. Jede Einschränkung des Schiffsverkehrs wirkt sich unmittelbar auf Ölpreise, Transportkosten und Produktionsketten aus. Die Folgen sind keineswegs auf die Industriestaaten beschränkt. Höhere Energiepreise treffen vor allem die ärmeren Länder. Treibstoff verteuert sich, Düngemittel werden knapp, landwirtschaftliche Produktion gerät unter Druck. Die Folgen reichen von steigenden Lebensmittelpreisen bis hin zu Versorgungsengpässen. Auch bei einer sofortigen Öffnung ist inzwischen eine globale Rezession wohl unvermeidlich. Je länger die Schließung dauert, desto schwerer wird die Krise ausfallen. Japan Indien, Pakistan und viele europäische Staaten haben ein elementares Interesse daran, dass die Energieversorgung wieder stabil wird. Je länger der Konflikt andauert, desto stärker wächst der Druck auf Washington, eine politische Lösung zu suchen.

Die gescheiterte Suche nach einer Verhandlungslösung

Diese Lösung lässt auf sich warten. Seit dem Eintritt der Waffenruhe bescherte Präsident Trump der Welt weitaus mehr Posts auf Truth Social als schon zuvor. Die Äußerungen zum Iran bestanden oftmals aus Androhungen von Gewalt; (nicht zuletzt nach Protesten der Golfstaaten) wurden diese von Ankündigungen einer kurz bevorstehenden Einigung abgelöst (ein Beobachter verzeichnete bis 9. Juni 37 derartiger Texte). Damit gelang es ihm, die Märkte immer wieder zu beruhigen.1 Viel Zeit ist nicht mehr, bis diese Strategie obsolet ist. Wie der Energiemarktexperte Kurt Cobb in einer aktuellen Analyse vom 8. Juni warnt, nähert sich die globale Ölversorgung in wenigen Wochen einem kritischen Punkt: dem sogenannten operational minimum – der absolut notwendigen Untergrenze für eine funktionierende Versorgung. Spätestens im September 2026 beginnt ein Wettbieten um die letzten verfügbaren Ölmengen, was die Preise schlagartig in ungeahnte Höhen treiben könnte.

Ob Trump nur heiße Luft verbreitet, oder ernsthaft nach einer tragfähigen Lösung sucht, wissen wir nicht. Alle Vermittlungsversuche pakistanischer und zuletzt auch omanischer Vermittler blieben jedoch bisher ohne Ergebnis. Und nachdem man über Wochen den erneuten Ausbruch von Kampfhandlungen befürchten musste, brachen diese dann tatsächlich am 7. Juni ernsthaft wieder auf. Ist nun erneut mit einer längeren Eskalationsphase zu rechnen? Oder wird sich der Konflikt auf Sparflamme gar über Jahre hinziehen?

Das Gesetz des Äußersten, die Absicht, den Gegner wehrlos zu machen, ihn niederzuwerfen“, „verschlingt“ immer wieder den „politischen Zweck“

Wie konnte es dazu kommen? Warum „verschlingt“ – um es mit den Clausewitzschen Formulierungen auszudrücken – „das Gesetz des Äußersten, die Absicht, den Gegner …] niederzuwerfen“, immer wieder den „politischen Zweck“?

Die Antwort ist klar: Die Angreifer haben den politischen Zweck ihres Krieges nicht erreicht. Im Gegenteil: Der Iran steht stärker da als je zuvor. Die Angreifer können oder wollen dieses „wirklich Vorhandene“, ihr Scheitern, aus unterschiedlichen Gründen nicht akzeptieren. Sie versuchen also, diese Situation über weitere Versuche, „den Gegner niederzuwerfen“, zu revidieren. Trotz der damit zweifellos verbundenen erheblicher Verluste für den Iran ist das jedoch nicht mehr möglich, da sind sich viele geopolitische Beobachter einig. Und nicht nur Israel, sondern besonders die Golfstaaten wären existentiell gefährdet, wenn der Iran nicht nur die amerikanischen Militärbasen dort, sondern auch deren Öl- und Gasinfrastruktur und die von Entsalzungsanlagen abhängige Wasserversorgung systematisch zerstören würde, wozu er ohne Weiteres in der Lage wäre. Zudem ist der Iran nun dabei, die Anlagen von Elon Musk, einschließlich der Starlink Bodenstationen und der SpaceX Infrastruktur, in Israel, Katar, Jordanien, den VAE and Oman auf die Liste seiner Angriffsziele zu setzen. Laut einem der erfahrensten amerikanischen Nahost-Diplomaten, dem ehemaligen US-Botschafter in Saudi-Arabien und früherem Staatssekretär im Pentagon Chas Freeman, ist militärisch keine Umkehrung der Situation mehr erreichbar. Der Iran besitze die Eskalationsdominanz. Die Schaffung einer neuen regionalen Ordnung auf politischem Wege sei unvermeidlich, so Freeman. Dabei werde der Iran eine regionale Führungsrolle einnehmen.

Regionale Ausweitung des Krieges

Im Gegensatz zu den USA und Israel ist die iranische Führung auf einen langen Krieg eingestellt. Sie ist überzeugt, diesen gewinnen zu können. (Siehe dazu auch Teil 2 meiner Essay-Reihe.) Wichtiger als die schnelle Einstellung der Kampfhandlungen ist für sie die endgültige Veränderung der Verhältnisse im Nahen Osten: Die Aufhebung des Druckes auf das eigene Land und Frieden für die gesamte Region. Zum ersten Mal griff der Iran zum Beispiel nun Israel nicht als Antwort auf einen direkten Angriff an, sondern wegen Israels Bombardierung des Libanon. Und im Jemen steht Ansar Allah bereit, um den Bab el Mandeb zu sperren, wenn es der Organisation zum Schutz der Palästinenser und der Unterstützung der übrigen Verbündeten als notwendig erscheint

Und wieder Verhandlungsversuche

Teheran macht weitere Verhandlungen von der Erfüllung von fünf Forderungen abhängig: Freigabe des eingefrorenen iranischen Vermögens in Höhe von 24 Milliarden Dollar, Aufhebung der Sanktionen für die Dauer der Verhandlungen, Aufhebung der Blockade der Straße von Hormus, Akzeptanz der iranisch-osmanischen Kontrolle der Meerenge, Einstellung der israelischen Angriffe auf den Libanon und Gaza Im Gegenzug werde der Iran den Verzicht auf die Entwicklung einer Atomwaffe erklären und die Straße von Hormus (zollpflichtig) für den gesamten Schiffsverkehr öffnen.

Glaubt man den vielen herumschwirrenden Berichten und Gerüchten, so laufen die Verhandlungen seit Wochen nach den folgenden Muster ab: Amerikaner und Iraner tauschen über Vermittler Botschaften aus, eine vorläufige Einigung in Form einer Absichtserklärung kommt zustande. Präsident Trump nimmt anschließend einseitige Änderungen vor, häufig nach Rücksprache mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu, worauf die Iraner das Ergebnis für ungültig erklären.2

Die USA in der Zwickmühle zwischen Israel und den eigenen Großmachtinteressen

Zur Vermeidung schwerer wirtschaftlicher und innenpolitischer Folgen und geopolitischer Schadensbegrenzung wäre eine schnelle Verhandlungslösung, insbesondere ein Atom-Deal, im amerikanischen Interesse und auch im Interesse von Präsident Trump, da sind sich wichtige amerikanische politische Analysten einig. Auch Vize-Präsident J.D. Vance scheint das so zu sehen und in dieser Richtung initiativ zu werden. Das gesamte Umfeld des Präsidenten hätte schon den Angriff im Februar mit großer Skepsis betrachtet, berichtet Robert Barnes, der dem Weißen Haus sehr nahesteht, und Trump bis 2020 als Anwalt beriet. Trump ließe sich aber stärker durch sein Ego leiten, die Angst, als Verlierer dazustehen; vor allem sei es aber die Angst vor der Israel-Lobby, die sein Verhalten bestimmt und ihn daran hindere, Israel in die Schranken zu weisen.

Israels Sicherheitsinteressen

Denn aus Sicht der israelischen Regierung ist eine Verhandlungslösung, die Gaza und den Libanon einschließt, nicht akzeptabel. Das hängt einerseits stark mit der persönlichen Situation des israelischen Ministerpräsidenten zusammen, der befürchten muss, nach einem evtl. Kriegsende inhaftiert zu werden. Aber vor allem sind es die Sicherheitsvorstellungen, die insbesondere nach dem 7. Oktober 2023 in der israelischen Gesellschaft vorherrschen. Nahostexperte Alastair Crooke erklärt, dass es die Sicherheitsdoktrin darauf abziele, die Gefahren für Israel an der Wurzel zu beseitigen, indem zum Beispiel alle bewaffneten Widerstandsgruppen zerschlagen und Pufferzonen geschaffen werden: In Gaza werde gerade die gelbe Linie, bis zu der Israel nach den Waffenstillstandsverhandlungen die Besetzung von 50 Prozent des Gebietes zugestanden wurde, auf 70 Prozent ausgeweitet. Der Libanon soll bis zum Litani-Fluss unter israelische Kontrolle gebracht werden.3

In Israel werden die vom Iran geforderten Bedingungen als existentielle Gefährdung der eigenen Sicherheit wahrgenommen. Die militärischen und politischen Realitäten, die der Iran geschaffen hat, sind so unvereinbar mit den israelischen Sicherheitsvorstellungen. Dieser unlösbare Konflikt, führt in eine militärische Eskalationsspirale, in der am Ende der militärisch schwächere Teil unterliegt. Sollte es sich bewahrheiten, dass Israel dieser schwächere Teil ist, befindet sich das Land in einer gefährlichen Lage: Die eigene Politik bewirkt das, was eigentlich verhindert werden soll.

Ist es möglich, diese Spirale zu durchbrechen? Könnten die USA einerseits Druck auf das von ihnen abhängige Land auszuüben, die Grenzen von 1949 (Libanon) bzw. 1967 zu respektieren und gleichzeitig dessen Sicherheit im Rahmen dieser Grenzen garantieren? Warum gelang es umgekehrt den USA und der internationalen Staatengemeinschaft nicht, die parallele Gewaltspirale zu durchbrechen, und die Sicherheit der Palästinenser und der libanesischen Bevölkerung zu schützen und diese gleichzeitig dazu zu bewegen, Israel in den genannten Grenzen zu akzeptieren?

Die Libanon-Frage

Um auf den aktuellen Konflikt zurückzukommen: Es ist insbesondere die Haltung des Iran in der Libanon-Frage, die aus israelischer Sicht eine politische Lösung des Konflikts unmöglich macht. Dabei spielt Hisbollah eine entscheidende Rolle. Die libanesische Regierung hat mit Israel einen Waffenstillstand geschlossen, der aber nicht einmal den Abzug der israelischen Truppen aus dem Süden des Landes vorsieht. Israel fordert zudem die Entwaffnung von Hisbollah. Das wird jedoch nicht geschehen, zu groß ist der Einfluss der Organisation im Land. Sie ist nicht nur eine Miliz, sondern organisiert auch soziale Angebote und ist als politische Partei im Parlament vertreten. Faktisch ist es allein Hisbollah, die die Souveränität des Libanon militärisch verteidigt.

Lässt sich Israel nicht auf einen Truppenabzug im Libanon ein, ist nun auch deswegen eine direkte militärische Auseinandersetzung mit dem Iran realistisch und könnte für das Land sehr gefährlich werden. Ist das den Beteiligten bewusst? Verlässt sich Israel auf seine Atomwaffen? Hofft man auf einen massiven amerikanischen Truppeneinsatz? Der wäre eher unwahrscheinlich. Denn während Israel vor allem auf seine unmittelbaren Sicherheitsziele blickt, sieht sich Washington zunehmend mit den weltweiten Folgen des Krieges konfrontiert. So wächst der Druck auf Trump, einen politischen Ausweg zu finden. Wie wird er sich in der Zwickmühle zwischen israelischen und US-Großmachtinteressen entscheiden?

Zukunftsmusik: Die Neuordnung im Nahen Osten

Iran: Vom Überleben zur Neuordnung

Der Iran hat das unmittelbare Kriegsziel erreicht: Der Staat existiert weiter, die Führung ist nicht gestürzt worden, die militärischen Fähigkeiten wurden nicht ausgeschaltet. Deshalb verfolgt Teheran inzwischen nicht mehr primär die Frage des militärischen Überlebens, sondern die Gestaltung der Nachkriegsordnung.

Iran will keinen bloßen Waffenstillstand, sondern eine dauerhafte Sicherheitsordnung, die weitere Angriffe verhindert. Die Führung sich sich mittlerweile nicht mehr als bedrängte Regionalmacht, sondern als Akteur, der die Bedingungen einer künftigen Ordnung mitbestimmen könne. Er arbeitet deswegen auf eine regionale Sicherheitsarchitektur hin, die nicht mehr von den USA dominiert wird, sondern von den Staaten der Region selbst: Iran, Saudi-Arabien, Türkei, Pakistan und Ägypten.

Der Iran kann darüber hinaus mit der Unterstützung der Großmächte China und Russland rechnen. Wird es künftig die immer stärkere Integration eines kontinentalen eurasischen Wirtschafts- und Sicherheitsraumes geben?

Die Golfstaaten: Der Beginn einer Neuorientierung

Die Regierungen der arabischen Golfstaaten werden pragmatisch handeln und sich langfristig an den tatsächlichen Machtverhältnissen orientieren und nicht an alten Loyalitäten.

Von nun an erscheinen die USA als wenig verlässlicher Schutzpatron. Die Militärbasen sind weitgehend zerstört. Ob ein kostspieliger Aufbau stattfindet, ist ungewiss. So werden die Golfstaaten künftig wohl keine anti-iranische Allianz bilden. Im Gegenteil: Ein schrittweiser Ausgleich zwischen den bisherigen Rivalen wird wahrscheinlicher. Dabei wird es nicht unbedingt eine einheitliche Politik der Golfstaaten geben. Die VAE, zum Beispiel, haben sich stark an Israel angenähert. Wie lange die Allianz hält, bleibt abzuwarten.

Türkei, Pakistan und Ägypten: Die künftigen Ordnungsmächte?

Groß genug, um regionale Stabilität zu organisieren, und gleichzeitig unmittelbar von den Folgen des Krieges betroffen, könnten diese Staaten mit vorwiegend muslimischen Bevölkerung zusammen mit Iran und den Golfstaaten den Kern einer neuen regionalen Sicherheitsordnung bilden. Die USA und Israel stehen in diesem Modell nicht mehr im Zentrum. Auch noch nach einem eventuellen militärischen Rückzug aus Nahost werden die USA weiterhin erheblichen Einfluss auf das globale Wirtschafts- und Finanzsystem haben. Was dann aber aus Israel wird, bleibt eine spannende Frage. Wird es überhaupt eine vertraglich vereinbarte Friedensordnung im Nahen Osten geben? Oder eine mehr oder weniger stillschweigende schrittweise Verständigung über einen neuen Status Quo?

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1 Die Entwicklung des Konflikts wird von Yves Smith bei Naked Capitalism so gut wie täglich dokumentiert. Den im Text geschilderten typischen Ablauf schildert sie beispielsweise hier.

2 Geradezu poetisch beschreibt es b von Moonofalabama unter der Überschrift War On Iran: – Groundhog Day:

The bombing is on. The bombing is off. A deal is ready. A deal is far from being made.
Here is the deal’s text. None of this is mentioned in any deal’s text.
Oil is flowing through Hormuz. No oil is passing thru.
An agreed upon text of the peace deal has been reached. Some 75% has been agreed upon.
The bombing is off. The bombing is on.

3 Was diese „Kontrolle“ konkret bedeutet wird in diesem Artikel ausführlich dargestellt. Darin steht zum Beispiel: Since March of this year, Israel has killed at least 3,613 people in Lebanon and displaced 1.2 million, obliterating entire villages

9 Gedanken zu „Der Iran-Krieg mit Carl von Clausewitz. Teil 3: Die Wahrscheinlichkeiten des wirklichen Lebens treten an die Stelle des Äußersten und Absoluten der Begriffe

  • Inzwischen unterschrieb die libanesische Regierung einen Deal mit Israel. Gegen die Massenproteste geht die Armee mit Tränengas vor. Israel freut sich, dass im Libanon am Rande eines Bürgerkrieges steht, der Hisbollah im Libanon selbst beschäftigt und von Israel ablenkt. Weitere Infos hier: https://t.me/DDGeopolitics/187553 (Für Aktualisierungen einfach nach unten scrollen) From DD Geopolitics:

    Footage circulating now shows Beirut’s government Serail surrounded by furious crowds after the Lebanese regime signed an agreement with Israel.

    Protesters have laid siege to the Serail, the seat of the Lebanese government, after news broke that Beirut formally signed the framework with Israel. Popular anger is spreading fast across the capital.

    What was actually signed: Lebanon commits to fully disarming Hezbollah and every other non-state armed group on its own soil, in exchange for a gradual, “verified” IDF withdrawal carried out in stages through so-called pilot zones, with the US overseeing the whole process. Israel, for its part, signs nothing binding beyond a vague promise to eventually leave once it’s satisfied the disarmament is complete, on its own timeline, by its own verification.

  • Der im Text dargestellte Konflikt zwischen Israel und dem Rest der Welt weitet sich aus:
    Trump braucht die Einstellung der Kampfhandlungen und unterzeichnet ein Memorandum.
    Der Iran macht diese von Israels Abzug aus dem Libanon abhängig.
    Sofort nach Unterzeichnung des Abkommens beginnt Israel eine Bombenkampagne: Southern Lebanon hit by at least 12 Israeli strikes since ceasefire.
    Vizepräsident Vance warnt Israel, die Hand zu beißen, die es füttert.
    Die iranische Bevölkerung ist not amused über Israels Angriffe auf Libanon.
    Der Iran droht mit Angriffen auf Israel.
    Der angesetzte Termin zum Verhandlungsbeginn wurde vom Iran abgesetzt.
    Israel begeht vermutlich einen schweren strategischen Fehler.
    Je länger der Konflikt dauert, desto schwerer die wirtschaftlichen Folgen und je mehr kann der Iran fordern.
    Wird Trump die Israelhilfe einstellen?

  • Alastair Crooke schreibt: Iran has succeeded in pushing a reluctant Trump to cross the Rubicon. Danny Citrinowicz, a former senior Israeli Iran military intelligence analyst, says that for Trump,

    “achieving a deal with Iran and ending the current cycle of escalation is not merely an option but a clear strategic goal … He now envisions a broader vision of US–Iran relations”.

    An unquestioned dogma has bitten the dust:

    “The long-standing expectation in parts of Jerusalem and Washington has been that sustained pressure could lead to regime change in Tehran … [However] the announced agreement suggests a [new] fundamental reality: The campaign that many hoped would weaken or even destabilise the Islamic Republic will instead conclude with the regime intact, strengthened, and formally engaged by the US … [This] amounts to the collapse of a broader strategic assumption: that coordinated American and Israeli pressure could generate conditions conducive to fundamental political change inside Iran. Instead, the likely outcome is the opposite … [it is] an outcome likely to reinforce confidence amongst [Iran’s] ruling elite rather than weaken it …”.

  • Kommentar aus dem Iran:

    Seyed Pouya Hosseinpour wrote in the note: Regardless of what the terms of the possible agreement may be, and whether an agreement is actually signed or not, several points must be kept in mind about any agreement at this stage:

    First: This is merely an agreement to end the current war, not an agreement for a final settlement of the issues between Iran and the United States; a war that America and Israel began with the aim of destroying Iran, failed to achieve their goals, and are now forced to end through an agreement.

    Second: The issues between Iran and the United States, and especially between Iran and Israel — have reached a level and stage of existential conflict that, in practice, will not end except with the decisive victory of one of the two sides. Things such as these negotiations and agreements have no particular impact on this path; they are simply a stage that must be passed through in order to reach the stage of the final battle.

    Third: The main function of this agreement is not the recognition of our sovereignty over the Strait of Hormuz (which has already been accepted even without an agreement), nor the release of Iran’s blocked assets, nor any other real gain explicitly stated in the text of the agreement. Its real function is to postpone the final and decisive battle that will determine the current victor. In fact, its main function is to provide a breathing space to rebuild future combat and defensive capacity and prepare for a full-scale and major battle — an opportunity that both sides will use to their own advantage.

  • Wer hätte das gedacht? Trump hat elektronisch das lang diskutierte Memorandum of Understanding unterschrieben, das zu Verhandlungen führen soll, um den Krieg zu beenden.
    Larry Johnson kommentiert:

    One final note of irony… Trump electronically signed the MOU in the Hall of Mirrors at the Palace of Versailles, which was where the primary peace settlement ending World War I was signed between the Allied powers and Germany. I don’t think Trump had an Allied victory in mind as he signed the document.

  • Naftalie Bennet möchte Netanjahu als Ministerpräsident Israels ablösen. Obwohl auch er in vieler Hinsicht ein Hardliner ist, kritisiert er scharf dessen Politik des „andauernden Krieges“:

    Der ehemalige Ministerpräsident Naftali Bennett hat die gesamte Strategie von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Umgang mit dem iranischen Regime und dessen Stellvertretern scharf attackiert. In einem ausführlichen Interview mit der Zeitung „The Times of Israel“ verurteilte Bennett Netanjahus „gesamten Ansatz“ und kritisierte „diesen sehr langwierigen Krieg“ an mehreren Fronten. Sollte er im Herbst gewählt werden, versprach er, werde er das vorantreiben, was er seit langem als seine „Octopus-Doktrin“ bezeichnet – einen mehrjährigen Aktionsplan, um den Zusammenbruch „eines korrupten, alten, inkompetenten und realitätsfernen Regimes“ in Teheran zu beschleunigen und gleichzeitig sicherzustellen, dass es keine Atomwaffen erwirbt. „Es war nie Israels Doktrin, einen andauernden Krieg zu führen, der die israelische Gesellschaft, die Reservisten und die Wirtschaft erschöpft und unserem internationalen Ansehen dramatisch schadet“, sagte er.

    Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
    Insgesamt ein sehr aufschlussreiches Interview.

  • Heute scheint es so, als sei ein Deal erreicht worden. Dieser soll am Freitag unterzeichnet werden. Man darf gespannt sein.
    Marandi berichtet, dass der Iran auf einen Vergeltungsschlag gegen Israel als Antwort auf die Bombardierung Beiruts verzichtet habe, weil die USA stattdessen weitergehende Zugeständnisse gemacht hätten:

    What Professor Marandi says here hasn’t been clearly understood. It was that until the Israelis continued their aggression, not all of the final points of Iran’s proposal had been agreed to.  But after Israeli again attacked Lebanon, they were.  So, that is why Iran did not respond militarily.  Because those final points were agreed in order for Iran to stand down. So, in effect, Israel’s misdeeds have the opposite effect to what they had intended. (Kommentar bei Moonofalabama

    Eine ausführliche Analyse des Deals ist hier zu finden.

  • Ein Beispiel für den Verhandlungsverlauf (Dank an Floppy): https://t.me/FotrosResistancee/22138
    Wirklich aufschlussreich:

    Nabavian: My objection is that in the nuclear section, Iran keeps giving America written guarantees, but America does not give equal guarantees on future sanctions.

    I’ll read it. Honestly, this is where a person becomes very upset.

    And this too was the proposal of the Islamic Republic of Iran. Because I have several versions; it kept going back and forth. They say, “None of these is the final version you have.” Fine… but I compared them. Every time we submitted it and it changed, we retreated.

  • Am 13. Juni erschien ein Deal wahrscheinlicher als zuvor. Dieser Tweet dokumentiert ein Stimmungsbild in Israel, das vermutlich eher die Regel als die Ausnahme ist:

    Netanyahu has decided to accept the Iranian deal. Security officials are despondent and see it as a disaster. Ynet brings some high level quotes from them:

    1) A senior Israeli official said „Nobody is happy with this. We understand it is not good for us, and that it harms Israeli interests. What is troubling is that Israel cannot influence it. Its voice is not being heard.“

    2) The anger at Trump is palpable.: „Trump screwed us, we took the hit. We’re no longer in the loop and can’t really influence anything.“

    3) Israelis fear Iran will be economically revived: „They’ve blown money on the Iranians, who are getting everything they want. They’ll build a missile corps, and we’ll have to pour money into interceptors.“ Israel sees oil revenue flowing back into the exact capabilities the war was meant to degrade.

    4) They don’t believe a deal will adequately deal with the nuclear issue: „The real test of the deal is removing the uranium and destroying it. If that doesn’t happen, the sense of a bad deal will turn into something more concrete.“

    5) They fear this will embolden Iran: „Iran has smelled that it can achieve things by force, and it will use that against its neighbors and against us.“

    6) The deepest worry is not military. It is perception. After months of direct fire, Iran is seen across the region as the side that took the pressure and did not fold: „the regional working assumption will be that it was signed under Iranian pressure and American capitulation, rather than the reverse.“

    10:17 nachm. · 13. Juni 2026 https://x.com/academic_la/status/2065891425536090186

    Was aber wird konkret passieren? via Fars Telegram:

    Possibility of stopping Zionist ground operations in Lebanon

    🔹The Israeli Radio and Television Organization, citing security sources, reported that the regime’s army has prepared itself to receive an order to halt ground operations and advance in Lebanon; a move that is said to have been proposed within the framework of ongoing agreements and consultations between Washington and Tehran.
    🔹According to this report, the Zionist regime does not intend to withdraw from the buffer zone in southern Lebanon, and the status of this area will be one of the focal points of the upcoming negotiations and talks.
    🔹The Zionist media outlet stated that perhaps the remaining days and hours could be a decisive opportunity to expand military operations and dominate new areas in Lebanon.
    @Farsna – Link

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